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MORBUS MENIÉRE – WAS IST DAS?

Geschichte

Die Krankheit ist benannt nach dem französischen Arzt Prosper Menière (1799 – 1862), der sie als erster beschrieb. Bis heute ist die Erforschung noch nicht abgeschlossen; sie hat eine ganze Reihe möglicher Ursachen festgestellt und entdeckt auch immer wieder neue Zusammenhänge. Dies erschwert die Diagnose ebenso wie die Therapie.

Krankheitszeichen

  • Schwindelanfälle ( zwischen 10 Minuten und mehreren Stunden), verbunden mit unstillbarem Erbrechen
  • Tinnitus ( Ohrengeräusch )
  • Hörminderung ( alle Stufen bis zur Ertaubung ) Druckgefühl in oder hinter dem Ohr

Verlauf

Meist ist zunächst nur ein Ohr betroffen. Die Krankheit kann, manchmal erst nach Jahren, auch das andere Ohr erfassen. Die einzelnen Krankheitszeichen bedeuten nicht notwendigerweise, dass ein Morbus Menière vorliegt.

Entstehung

Wirkweise von Gleichgewichtsorgan und Hörschnecke:
Die merkwürdig gebogenen Gänge des Innenohrs nennt man Labyrinth. Es enthält die Organe für die räumliche Vorstellung und fürs Hören.

Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) besteht aus zwei Teilen: aus dem Lage-Sinnesorgan in den beiden Säckchen des Vorhofes und aus dem Drehsinnesorgan in den drei Bogengängen, die den drei Ebenen des Raumes entsprechen. Auf der Innenseite der Schläuche ragen Sinneszellen mit Haarfortsätzen in die Lymphflüssigkeit. Diese reagiert auf Bewegungen träger als der übrige Körper, die Sinneshärchen werden umgebogen und geben Impulse über den Gleichgewichtsnerv an das Gleichgewichtszentrum im Gehirn.

In der Hörschnecke (Chochlea) ist ein zarter Bindegewebssack, die Häutige Schnecke ausgespannt. Auf diese Weise entstehen drei Gänge. Die äußere Lymphflüssigkeit (Perilymphe) im Vorhofgang nimmt Schallwellen über das Ovale Fenster auf und überträgt sie auf die innere Flüssigkeit (Endolymphe) des Schneckengangs. Der reicht nicht ganz bis ans Ende der Schnecke, dort geht der Vorhofgang über in den Paukengang, an dessen Ende das Runde Fenster für den Druckausgleich zum Vorhof hin sorgt. Im Schneckengang sitzen Reihen von Sinneszellen mit Sinneshärchen, die an eine Deckplatte stoßen. Die Bewegung der Schallwellen verbiegt die Härchen gegen die Deckplatte. Dieser mechanische Reiz erregt die Sinneszellen. Ihre Signale gelangen über den Hörnerv ins Hörzentrum des Gehirns.

Ursachen

Wenn das natürliche Zusammenwirken von Sinneshärchen, äußerer und innerer Flüssigkeit gestört ist, werden Falschmeldungen ans Gehirn weitergegeben. Im Gehirn gehen dann vom Gleichgewichtsorgan andere Meldungen ein als vom Auge. Das Gehirn kann solche Unterschiede bis zu einem gewissen Umfang ausgleichen. Halten sie länger an, dann verliert der Mensch die Orientierung im Raum, ihm schwindelt, er bewegt seine Augen auf der Suche nach einem festen Halt, er taumelt, erbricht sich.

Die Hauptursache dafür ist eine zu große Menge Lymphflüssigkeit im inneren „Schlauch“. Diese wiederum kann bedingt sein durch Fehler in der trennenden Membran oder durch eine falsche Zusammensetzung bzw. Konzentration der inneren und äußeren Flüssigkeit. Letzteres kann auch die Sinneshärchen vergiften und absterben lassen.

Die Hörschädigungen, Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche, entstehen ebenso durch unausgewogene Zusammensetzung oder falsche Flüssigkeitsmengen. Sie können zunächst nach den Anfällen wieder ausgeglichen werden. Erst wenn diese zu lange andauern oder zu oft wiederholen, werden die Haar zellen nachhaltig geschädigt und erfassen die Schallwellenbewegungen nicht mehr.
Je nachdem, welche Bereiche der Hörschnecke davon betroffen sind, fallen die entsprechenden Tonhöhen aus.
Eine zu große Flüssigkeitsmenge erklärt auch das Druckgefühl im oder hinter dem Ohr.

Diese Ursachen treten einzeln oder gemeinsam auf, sie können auch längere Zeit zurückliegen.
Hervorgerufen wird ein Menière’scher Anfall meistens dann, wenn zu diesen Ursachen ein Auslöser hinzukommt, wie z.B. ein Entzündungsherd, Stress, psychische Belastung, Stoffwechselstörungen, Veränderungen im Immunsystem.

Über Einzelheiten informiert Sie Ihr Arzt oder KIMM

Welche Folgen hat die Menière’sche Krankheit?

Körperliche Schädigungen durch die Drehschwindelanfälle sind der Brechreiz, aber auch alle möglichen Verletzungen durch Stürze.

Die psychischen Folgen wiegen schwerer. Mit dem Gleichgewicht und dem äußeren Halt geht auch der seelische Halt verloren, Unsicherheit stellt sich ein, Angst vor der Wiederholung des Anfalls. Diese Angst kann so groß werden, dass die Schwindelgefühle auch in den anfallfreien Zeiten bestehen bleiben. Die Angst vor der Krankheit ruft dann deren Erscheinungsbild erst hervor. Echte, organisch bedingte Schwindelzustände und „unechte“, psychisch bedingte, können abwechseln oder ineinander übergehen. Schließlich kann einer der genannten Auslöser selbst dann noch einen (psychisch bedingten) Drehschwindelanfall bewirken, wenn die organische Ursache gar nicht mehr gegeben ist. Über Sonderformen der Krankheit informiert Sie Ihr Arzt oder KIMM.

Erkennung

Der Betroffene selbst kann einen organischen von einem psychischen Schwindelanfall unterscheiden lernen. Kann er einen festen Gegenstand fest im Blick behalten? Verbessert sich seine Standfestigkeit, wenn er fest auftritt?  Läßt der Schwindel nach, wenn vertraute Menschen auftreten? Dann ist der Schwindel psychisch bedingt. Organische Ursachen machen es jedoch unmöglich, feste Gegenstände zu fixieren, heftiges Auftreten führt zu erneutem Umfallen und vertraute Personen haben dabei keinen unmittelbaren Einfluss auf den Schwindel.
Suchen Sie auf jeden Fall einen HNO-Arzt auf. In Zweifelsfällen berät Sie KIMM.

Der Arzt prüft bei Menière-Verdacht, ob der Patient bei geschlossenen Augen auf einem oder beiden Beinen stehen, geradeaus gehen, auf der Stelle treten, die Arme heben und dabei die Arme des Untersuchers treffen kann. Fehler im Gleichgewichtsorgan zeigen sich bei diesen Versuchen durch Fallneigung, Gangabweichungen oder Drehungen.

Die etwas aufwendigere sogenannte thermische Prüfung und die Glycerol – Belastungsprobe dienen vor allem dazu, andere Krankheiten auszuschliessen.

In allen Fällen wird der Arzt auch das Gehör prüfen. Einzelheiten über die Untersuchungsmöglichkeiten erklärt Ihnen Ihr Arzt oder KIMM.

  • Weiterführende Informationen
    gibt es bei Wikipedia
    und über den Menüpunkt  Links